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Entstehung Bigrafische Weichen - SHS - Sven Hildebrandt schreibt...

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Biografische Weichen - Band 1
Von der Not zur Tugend
Wie dieses Buch entstanden ist
Manchmal beginnt ein Buch nicht mit einer Idee, sondern mit einer Frage.
Bei mir begann es mit Erinnerungen an meine Großeltern und an Menschen ihrer Generation. Menschen, die viele Dinge anders machten, als wir es heute für selbstverständlich halten.
Da wurde zur Nacht frische Unterwäsche angezogen. Im Kellerabgang stand ein Stapel ausgewaschener Margarinebecher. Die Wäsche blieb zwischen den Jahren unangetastet, damit keine bösen Geister eingefangen wurden. Der Kaffee vom Nachmittag wurde abends kalt getrunken, bevor man ihn wegschüttete. Nichts wurde leichtfertig weggeworfen. Vieles wurde aufgehoben. Manches wirkte seltsam, manches liebenswert, manches völlig selbstverständlich.
Irgendwann stellte ich mir die Frage: Warum eigentlich?
Warum tun Menschen solche Dinge? Und gibt es noch mehr dieser kleinen Gewohnheiten, die unseren Alltag geprägt haben, obwohl ihre ursprünglichen Gründe längst vergessen wurden? Daher lautete der Arbeitstitel auch lange "Lexikon der Unverständlichkeiten".

Lebenserfahrung statt Marotte
Je mehr ich nachfragte, recherchierte und zuhörte, desto deutlicher wurde mir: Viele dieser Verhaltensweisen waren keine Marotten. Sie waren Nachwirkungen von Lebenserfahrungen. Hinter einem Vorratsschrank, einem Einmachglas oder einem aufbewahrten Geschenkpapier konnte sich Krieg, Flucht, Mangel, Unsicherheit oder einfach eine ganz andere Vorstellung von Wert verbergen.
Aus einzelnen Erinnerungen wurde langsam eine Sammlung. Aus der Sammlung entstand die Suche nach einer Struktur. Denn je mehr Geschichten ich hörte, desto stärker wurde der Eindruck, dass sich hinter den kleinen Dingen oft große Zusammenhangen verbergen.
Um diese Erfahrungen nicht nur auf mein persönliches Umfeld zu beschränken, entstand die Idee, sie in exemplarischen Figuren zu bündeln. So wurden aus vielen Erzählungen die Lebenswege von Liselotte, Anna, Karl, Maria, Ayşe, Mehmet und Renate. Sie stehen nicht für einzelne Menschen, sondern für Erfahrungen, die viele Menschen ihrer Generation gemacht haben.
Während der Arbeit fiel mir außerdem auf, dass manche Begriffe für jüngere Leserinnen und Leser kaum noch bekannt sind oder regional völlig unterschiedlich verwendet werden. So entstand die Idee eines Lexikons, das Begriffe, Gegenstände und Gewohnheiten erklärt und zugleich mit den Lebensgeschichten der Figuren verbindet.

Eine zeitlose Botschaft und die Evolution des Covers
Mit jedem Kapitel veränderte sich das Projekt ein wenig. Anfangs stand die Nachkriegsgeneration im Mittelpunkt. Doch je länger ich schrieb, desto klarer wurde, dass dieses Buch eigentlich von etwas Zeitlosem erzählt. Es geht nicht nur um die Vergangenheit. Es geht darum, wie Erfahrungen weitergegeben werden und wie sie unser Denken bis heute beeinflussen.

Sogar das Cover entwickelte sich auf diesem Weg:

  • Am Anfang stand eine schlichte Kaffeemühle.
  • Dann kam der Gegensatz zwischen Muckefuck und Kaffeevollautomat hinzu.
  • Daraus entstand schließlich das Bild des Wegweisers zwischen „Not“ und „Tugend“ – und damit der Gedanke, der zum Kern des Buches wurde:

Nicht alles, was wir geerbt haben, müssen wir behalten. Aber vieles sollten wir erst verstehen, bevor wir entscheiden, ob es neu gelebt werden kann oder der Vergangenheit angehören darf.

Die dreiteilige Generationen-Trilogie

Während des Schreibens wurde mir bewusst, dass sich dieses Thema unmöglich in einem einzigen Buch vollständig erzählen lässt. Deshalb entstand die Idee einer Trilogie:

  • Band 1 – Von der Not zur Tugend: Fragt, wie viele Gewohnheiten entstanden sind und warum sie bis heute nachwirken. (Jetzt im Handel!)
  • Band 2 – Geerbte Wege: Wird sich mit den Erfahrungen, Prägungen und Entscheidungen beschäftigen, die über Generationen weitergegeben werden.
  • Band 3 – Das flüchtige Jetzt: Richtet den Blick auf unsere beschleunigte Gegenwart und die Frage, was bleibt, wenn sich alles ständig verändert.

Wenn dieses Buch etwas erreichen kann, dann vielleicht dies: ein wenig Zeitgeschichte festhalten, Erinnerungen bewahren und Verständnis schaffen. Verständnis dafür, dass hinter vielen scheinbar kleinen Gewohnheiten oft ein großes Stück gelebtes Leben steckt.

Denn manchmal beginnt das Verstehen der Gegenwart mit einem alten Margarinebecher im Keller....

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